Die sanften Künste

Qigong, Xingyi, Bagua und Taiji

Qigong

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Qigong gilt als die älteste der sanften Künste und viele der weniger komplexen Übungen lassen sich sehr oft nur mit viel Phantasie als Kampftechniken interpretieren. Deshalb wird in der Literatur die Zuordnung zu den Kampfkünsten auch unterschiedlich gesehen.
Sieht man sich aber zum Beispiel das Qigong des tanzenden Kranichs an, dann lassen sich ohne große Anstrengung viele Stellungen als Kampftechniken interpretieren. Gerade der Kranich, der in der gesamten asiatischen Kultur und Mythologie als Symbol für Eleganz, Anmut, Leichtigkeit, Kraft, Dynamik aber auch Ruhe gilt, stand bei der Entwicklung sehr vieler Kampfstile offensichtlich Pate. Auch der Drache, ein Fabelwesen, das auf den Wellen des Meeres reiten und über den Wolken fliegen kann, hat viele Kampfkünstler zu sehr wirkungsvollen Greif- und Schlagtechniken inspiriert. Deshalb kann auch das Qigong des schwimmenden Drachen seine enge Verwandtschaft zu den Kampfkünsten nicht leugnen.
Aber nicht alle Formen des Qigong sind auf eine äußere Bewegung angewiesen. Zwar wird zu Beginn immer eine bestimmte Stellung oder Position eingenommen, aber die eigentliche Übung besteht in der inneren Bewegung. Diese sieht so aus, dass der Atem mit Hilfe der Gedanken, also der Imagination, durch den Körper begleitet und gelenkt wird.
Was verbirgt sich nun hinter diesen geheimnisvollen Übungen? Qigong, das heißt soviel wie Arbeit mit der Energie, wurde zumindest in den ersten westlichen Veröffentlichungen noch als ein Übungssystem mystifiziert, das denen, die es praktizierten, geradezu übernatürliche Kräfte zusprach. Und auch heute noch ist dieser Eindruck nicht völlig aus der Luft gegriffen, wenn man an die sagenhaften Kunststücke der Shaolin-Mönche denkt.
Genauso spektakulär, aber viel leiser, ist das zu Heilzwecken eingesetzte Qigong. Sie erinnern sich vielleicht noch an das vor Jahren im Fernsehen gezeigte Finger-Qigong von Meister Wang, das bei vielen Krankheiten hilft. Andere Möglichkeiten bietet das Duft-Qigong, das heilende Düfte erzeugen soll, oder das Laute-Qigong, das mit körpereigenen Lauten bestimmte Organe in sanfte, heilende Schwingungen versetzen kann, oder das Augen-Qigong, das Fehlsichtigkeiten minimiert oder gar heilt. Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass es Qigongübungen gibt, die speziell gegen Krebs entwickelt wurden, die nicht nur in China, sondern auch in Europa schon zu vielen Heilungen geführt haben.
Eines allerdings haben alle Techniken und Richtungen des Qigong, ja im Grunde genommen alle sanften Künste gemeinsam, nämlich die Arbeit mit der Lebensenergie Qi, die nach asiatischer Auffassung in den Meridianen fließt. Bei diesen handelt es sich um Linien oder Bahnen, die unseren gesamten Körper durchdringen. Auch andere Heilmaßnahmen wie Akupunktur, Akupressur oder Shiatsu nutzen diese Energiekanäle ebenso wie die sanften Künste.
Eine Grundvoraussetzung für das positive Wirken der Übungen ist das richtige Atmen. Richtig atmen heißt, dass man tief, ruhig und gleichmäßig atmen muss, was aber nur dann gelingt, wenn man in einen ganz bestimmten Bereich seines Körpers atmet, der in allen östlichen Kulturen als Quelle nahezu unerschöpflicher Kraft und Energie gilt. Man bezeichnet ihn als Dantian, das Elixierfeld oder auch das Meer der Energie und er befindet sich etwa drei Finger breit unterhalb des Bauchnabels im Körperinneren.
Eine weitere Voraussetzung für das gesundheitliche Wirken ist die richtige Vorstellung und Aufmerksamkeit beim Üben. Dahinter verbirgt sich die Konzentration auf die Übungen und das gedankliche Lenken und Begleiten des Atems durch den Körper.

Written by Ingo

Juli 1st, 2011 at 12:59 pm

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