Die sanften Künste

Qigong, Xingyi, Bagua und Taiji

Bagua

noch keine Kommetare

Bagua, die Kunst der acht Trigramme, wird um eine gedachte Mitte, in der sich der imaginäre Gegner aufhält, vorgetragen. Der große Vorteil gegenüber Xingyi besteht darin, dass der Baguakämpfer seinem Gegner nicht mehr direkt gegenüber steht. Angriffe kann er deshalb viel besser und wirkungsvoller abwehren und umlenken. Mit hohem Tempo läuft er um seinen Gegner herum, ändert immer wieder die Laufrichtung, taucht plötzlich ab und springt wieder hoch. Flink ausgeführte Körperdrehungen, blitzschnelle Arm- und Beinbewegungen und immer wieder das schnelle Laufen bestimmen den Gesamteindruck und sehen viel eher wie das Imponiergehabe eines stolzen Gockels aus.
Aber dieser Eindruck täuscht. Der Gegner erkennt kein System, ihm bleibt der Sinn der Techniken verborgen und vor allen Dingen weiß er nicht, wann er angegriffen wird.
Beim Bagua fallen sofort zwei Dinge auf. In einigen Schulen müssen beim Gehen die Füße mit der Sohle parallel zum Boden angehoben, nach vorne geführt und auch mit der ganzen Sohle wieder abgesetzt werden. Es gibt aber auch die weniger anstrengende Variante, bei der man den Fuß über die Ferse abrollt.
Das andere typische Merkmal ist die Haltung des Körpers ab der Hüfte aufwärts. Bauch, Schultern und Kopf sind der Mitte des Kreises, also dem Gegner, zugewandt und ihre Position darf während des Gehens nicht geändert werden. Beide Eigenschaften tragen dazu bei, dass allein schon das Gehen sehr energisch, äußerst beherrscht, kontrolliert und kampflustig aussieht. Darüber hinaus verstärken auch die Haltung der Arme und Hände diesen ersten Eindruck.
Sehr oft genügt allein schon das Gehen, um sich ein nachhaltiges Bild von Bagua zu verschaffen. Ein Könner dieser sanften Kunst vermittelt einem Betrachter den Eindruck, auf Rollen zu laufen und erschütterungsfrei über den Boden zu gleiten.
Das Gehen, insbesondere aber die Drehungen übt man anfangs sehr langsam und man steigert erst allmählich und ganz individuell das Tempo. Die Überlieferung weiß zu berichten, dass die alten Chinesen so schnell auf dem Kreis gelaufen sind, dass ihre Zöpfe wegen der enormen Fliehkraft waagerecht nach außen gestanden haben.

Written by Ingo

Juli 1st, 2011 at 12:59 pm

Posted in

Schreibe hier einen Kommentar